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Folge 17

EU-Studie zu Schäden illegaler Downloads veröffentlicht

Diese Folge wurde am Tag vor der Bundestagswahl aufgenommen. Seht es uns nach; der Schnitt der Folge hat etwas gedauert, aber der Inhalt ist nach wie vor wichtig.

Julia Reda, MdEP der Piraten seit 2014, hat der EU-Kommission den Bericht einer von ihr (der Kommission) 2014 in Auftrag gegebene Studie zum Verdrängungseffekt illegaler Downloads auf legalen Konsum urheberrechtlich geschützter Werke abgerungen. Die Kommission hatte den Bericht der Studie nie veröffentlicht, und Julia hat die Veröffentlichung angestrengt (herzlichen Dank dafür!). Volker und Frank sprechen in Legal Bits 17 darüber, was die Studie untersucht und was sie ergeben hat und was das für Filesharing und politische Arbeit bedeutet.

01:49: Einleitung zum Thema

Hintergrund der Studie ist die Frage, ob und, wenn ja, welchen Schaden illegale Downloads für die Verkaufszahlen legalen Medienkonsums anrichten.

04:45: Wie ist es zu der Studie gekommen, und wieso ist der Bericht jetzt erst öffentlich?

07:15: Was hat die Studie untersucht?

Man wollte herausfinden:

  1. Beeinflusst illegales Filesharing Verkaufszahlen überhaupt, und wenn ja, in welche Richtung und wie stark?
  2. Haben die Preise urheberrechtlich geschützter Werke einen Einfluss darauf, ob solche Werke illegal übers Internet bezogen werden?

Stichwortartige Struktur der Studie

  • Untersuchte Länder: Deutschland, UK, Spanien, Frankreich, Polen, Schweden
  • 2 Fragenkreise an knapp 30.000 Befragte (5.000 pro Land), wobei Minderjährige leicht überrepräsentiert waren:
    • Wie beeinflussen Online-Urheberrechtsverletzungen die Verkaufszahlen von urheberrechtlich geschütztem Inhalt?
    • Wie viel sind Online-Urheberrechtsverletzer bereit zu zahlen für urheberrechtlich geschützten Content?
  • Man hat vorherigen 50 Studien zur Basis dieser Studie gemacht.
  • Man hat sich auf vier Arten von Werken konzentriert:
    • Musik
    • Audiovisuelle Werke (Filme)
    • Bücher
    • Computerspiele

​Die Studie adressierte auch das Endogenitätsproblem.

 

13:40: Was hat die Studie untersucht und ergeben?

Man hat Leute zu drei Themenblöcken interviewt:

  • Konsum des Probanden von illegalen Downloads
  • Verdrängungseffekt auf Verkaufszahlen
  • Bereitschaft, für illegale Downloads zu bezahlen

Die Kernaussagen der Studie sind:

  • Mit Ausnahme von aktuellen Topkinofilmen konnte man keinen Effekt von illegalem Filesharing für Verkaufszahlen erkennen.
  • Eine Senkung von Verkaufspreisen für Bücher, Musik und Computerspielen hätte vermutlich keinen Effekt auf die Verkaufszahlen, bei Filmen und Fernsehserien allerdings vermutlich schon.

In manchen Bereichen (vor allem bei Musik-Downloads und Verkauf von Konzerttickets, außerdem bei Computerspielen) zeigen die Ergebnisse eher noch einen gegenteiligen Effekt, nämlich dass illegale Downloads sogar das Geschäft noch beflügeln.

18:25: Was bedeutet die Studie für Schadensersatz bei illegalen Downloads?

Wir sprechen hier über die Berechnung von Schadensersatz u. a. nach der so genannten Lizenzanalogie. Der Auslöser der Frage ist, ob ein illegaler Download überhaupt einen Schaden verursacht (konkret: Hätte der illegal Herunterladende das Werk ansonsten gekauft?), und wie man den ermitteln soll. Es geht auch darum, wie man Schaden vor Gericht behauptet und beweist. Die Sache bekommt eine erheblich komplexere Dimension durch die Frage, was für ein Schaden durch das Verbreiten von Werken über Filesharing-Netzwerke wie Bittorrent entsteht. Außerdem sprechen wir über den Pönalzuschlag, den Gerichte oft bei Urheberrechtsverletzungen bei der Schadensberechnung annehmen.

32:50: Was bedeutet die Studie für Filesharing und Abgemahnte?

Wir werden abwarten müssen, was die Gerichte aus den Studienergebnissen machen, aber klar dürfte sein: Rechteinhaber fühlen sich durch die Studienergebnisse vor allem bei aktuellen Topkinofilmen bestätigt. Da wird wegen Filesharing vermutlich nach wie vor, vielleicht sogar noch öfter abgemahnt werden.

35:45: Fazit

  • Julia wählen!
  • Wir mögen correlated.org
  • Ziemlich offensichtlich hat Lobbyarbeit dazu geführt, dass diese Studienergebnisse nicht veröffentlich wurden, weil deren Ergebnisse den Stakeholders nicht gefallen haben.
  • Studienergebnisse sollten by default veröffentlich werden. Wir empfehlen hierzu auch den Podcast "Methodisch inkorrekt".
  • Netzpolitik.org sind nicht nur gut, sondern verdienen auch eure Spenden.

43:55 Abschied

Hinterlasst Kommentare, schickt eine E-Mail oder twittert an @legal_bits, @neuernick oder @ra_stiegler!

Die Einsprecher kommen wie immer von Sarah Nakic aus Köln.